Sir Adrian Carton de Wiart: Der Mann, der nie aufgab

Sir Adrian Carton de Wiart gilt als einer der beeindruckendsten Offiziere in der Geschichte der britischen Armee. Seine Lebensgeschichte erinnert an die spannenden Erzählungen aus einem Actionfilm, wobei alle Ereignisse auf wahren Begebenheiten basieren. Er überlebte zahlreiche Kriege und Frontkämpfe und erlitt dabei schwerste Verletzungen, einschließlich des Verlusts seines linken Auges, einer Hand und mehrerer Schusswunden. Trotz dieser beinahe endlosen Reihe an Rückschlägen gab er niemals auf. Vielmehr wurde er zur Verkörperung des unerschütterlichen Durchhaltewillens.

Frühes Leben und Militärkarriere

Adrian Carton de Wiart wurde 1880 in Brüssel, Belgien, geboren, doch seine Familie zog bald nach Großbritannien, wo er aufwuchs. Schon in der Jugend entwickelte er eine große Leidenschaft für militärische Belange. Nach seiner Einschreibung an der Oxford University entschied er sich, das Studium abzubrechen und sich der britischen Armee anzuschließen. Damit begann eine der außergewöhnlichsten Karrieren in der Militärgeschichte.

Seine ersten Kampferfahrungen sammelte er während des Burenkriegs (1899–1902) in Südafrika. Hier zeigte sich seine Unerschrockenheit: Er trat immer wieder an die vorderste Front, wo das Risiko am höchsten war. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt erlitt er Verletzungen, die jedoch nur der Anfang einer langen Kette von Rückschlägen sein sollten.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 meldete sich Carton de Wiart sofort zum Dienst. In den folgenden Jahren wurde er zur lebenden Legende. Während der Schlacht an der Westfront zog er sich eine Schusswunde am Kopf zu, die sein linkes Auge zerstörte. Später verletzte er sich an der Hand und traf die drastische Entscheidung, sich selbst die Finger zu amputieren, um weiterhin kämpfen zu können. Für ihn waren diese Verletzungen lediglich Teil des Militärlebens.

Verletzungen und Rückschläge – Der Preis des Krieges

Die Vielzahl seiner Verletzungen während des Ersten Weltkriegs hätte für viele das Karriereende bedeutet, jedoch nicht für ihn. Neben dem Verlust eines Auges und einer Hand wurde er mehrmals getroffen, einschließlich Schüssen in Hüfte und Bein. Jede Verletzung hielt ihn nur kurzzeitig vom Kämpfen ab. Kaum genesen, kehrte er schnellstmöglich an die Front zurück.

Seine außergewöhnlichen Verwundungen brachten ihm den Spitznamen “der verwundete Krieger” ein. Ein Kollege beschrieb ihn als “eine Mischung aus Raserei und Tapferkeit”, da er immer wieder aufstand, egal wie schlimm die Rückschläge waren. Besonders bemerkenswert bleibt seine Überlebensgeschichte nach einem Flugzeugabsturz, der ihn mit gebrochenem Rücken und Knöchel hinter feindlichen Linien zurückließ. Trotzdem konnte er der Gefangennahme entkommen.

Der unaufhörliche Kämpfer

Obwohl er immense körperliche und seelische Belastungen erlebte, dachte Adrian Carton de Wiart niemals daran, aufzugeben. Seine Entschlossenheit und sein Drang, an vorderster Front zu kämpfen, machten ihn zu einer Legende. Darüber hinaus war er bekannt für seinen trockenen Humor und seine unerschütterliche Gelassenheit im Angesicht der Gefahr.

Eine bemerkenswerte Episode fand während des Zweiten Weltkriegs statt. 1941 war er auf einer Mission in Jugoslawien, als sein Flugzeug erneut abstürzte – diesmal im Mittelmeer. Nach dem Absturz schwamm er mit gebrochenen Knochen an Land und geriet in italienische Gefangenschaft. Trotz mehrerer Fluchtversuche wurde er schließlich im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen.

Seine berühmte Aussage nach der Amputation seiner Hand – „Was soll’s, wenigstens bin ich es los“ – spiegelt seinen unerschütterlichen Pragmatismus und seinen schwarzen Humor wider. Für Carton de Wiart gab es keine unüberwindbaren Hindernisse.

Das Ende einer legendären Laufbahn

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sich Sir Adrian Carton de Wiart allmählich aus dem aktiven Dienst zurück. Er verfasste seine Memoiren unter dem Titel „Happy Odyssey“, in denen er seine außergewöhnliche Lebensgeschichte festhielt. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Irland, wo er 1963 im Alter von 83 Jahren verstarb. Seine Geschichte bleibt ein beeindruckendes Beispiel für übermenschlichen Überlebenswillen und Durchhaltevermögen.

Kurzzusammenfassung

Sir Adrian Carton de Wiart überlebte unzählige Kriege und verletzte sich schwer, verlor sogar ein Auge und eine Hand. Trotz aller Widrigkeiten kämpfte er unbeirrt weiter, überstand Flugzeugabstürze und Gefangenschaft. Seine Lebensgeschichte ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die menschliche Widerstandskraft, und seine Memoiren zeugen von einem Pragmatismus und einem Willen, die ihn zu einer Legende machten.

Bildernachweis
Titelbild:
National Portrait Gallery London

 

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